stimmen JETZT: Katharina Kohm – der frühling hängt in der tür

Anfang April stellte Katharina Kohm im Rahmen einer Lesung in der großartigen Buchhandlung Moths in München ihren neuen Gedichtband in melanin vor (gutleut verlag, Frankfurt am Main, Nov. 2021). Ich hatte das Vergnügen, dabei zu sein, und als Katharina das Gedicht der frühling hängt in der tür las, wusste ich sofort: Diesen Text möchte ich im April bei stimmen JETZT zeigen.

Das Gedicht, scheint mir, passt zu diesem Frühling 2022, der uns – trotz zunehmender Schräglage der Welt, trotz apokalyptisch anmutender Nachrichten und Bilder – Blüten bringt.
Ganz besonders begeistert mich die feine Sprachbewegung des Gedichtes in der dritten Strophe, welche (mich) an eine sich allmählich öffnende Blütenknospe erinnert: Mit jedem Zeilenbruch entfaltet sich eine neue Sinneinheit, bis schließlich in den drei letzten Zeilen eine versöhnliche Schlussperspektive aufblüht …

Vielen Dank, liebe Katharina, dass ich das Gedicht hier zeigen darf!

Katharina Kohm, geb. 1985; Studium der Biologie, Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie; promoviert derzeit zum Thema Sprachmagie; gibt Seminare, verfasst wissenschaftliche Aufsätze und Essays und hält Vorträge zu den Themen Gegenwartsliteratur, Ästhetik, Metapherntheorie und Feminismus.

Ihr Debütband Schuppenflügel. Ein Zyklus in Kehrtwenden erschien 2010 im Llux-Verlag, 2019 dann ihr zweiter Lyrikband Phosphor. Ein Übergeben im geest-Verlag; im Herbst 2021 in melanin beim gutleut-Verlag, Frankfurt am Main.

Katharina Kohm wurde für das diesjährige Lyrikstipendium des Stuttgarter Schriftstellerhauses ausgewählt. Sie lebt in München.

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stimmen JETZT: Ragnar Helgi Ólafsson – WILDER PSALM

stimmen JETZT im März stellt den isländischen Autor und KünstlerRagnar Helgi Òlafsson vor mit dem Gedicht WILDER PSALM aus dem 2017 im ELIF Verlag zweisprachig erschienenen, ganz wunderbar vom Dichter selbst gestalteten Band Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können.

Der Gedichtband wurde 2015
mit dem Tómas-Guðmundsson-Poesie-Preis ausgezeichnet, den die Stadt Reykjavík alljährlich an herausragende Werke der isländischen Dichtkunst vergibt. Eine lesenswerte Besprechung zum Band gibt es imSignaturen-Magazin.

J. M. R. (im Untertitel des Gedichtes) ist eine Referenz an den persischen Mystiker und Dichter → Jalal ad-Din Muhammad Rumi (1207 – 1273).

Ein herzliches Dankeschön geht nach Prag: Ich freue mich, das Gedicht hier zeigen zu können, lieber Wolfgang Schiffer, und bin schon sehr gespannt auf Laus blöð – Ljóð og textar (Lose Blätter – Gedichte und Texte), das 2023 bei ELIF erscheint!

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-> Jón Thor Gíslason (Übersetzung), geb. 1957 in Hafnarfjörður, lebt seit Anfang der 1990er Jahre als Bildender Künstler in Deutschland; bis 1988 professioneller Popmusiker in Island, danach Aufbaustudium (Meisterklasse) an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart; zeitweise Korrespondent in Deutschland (Kunst und Kultur) für die isländische Tageszeitung Morgunblaðið. Veröffentlichungen: Erzählungen in Kulturbeilagen der Tageszeitung Morgunblaðið sowie diverse Übersetzungen isländischer Lyrik in Zusammenarbeit mit Wolfgang Schiffer, vor allem für den ELIF Verlag. Er lebt in Düsseldorf.

-> Wolfgang Schiffer (Übersetzung), geb. 1946 in Nettetal-Lobberich, studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften; veröffentlichte Prosa, Lyrik sowie Hörspiele; ist als Herausgeber und Übersetzer aus dem Isländischen tätig; u. a. Vorstandsmitglied des Literaturhauses Köln, Mitglied der Akademie der Darstellenden Künste sowie des PEN. Seit 1976 arbeitete er als Hörspieldramaturg beim WDR, von 1991 bis 2011 war er in leitender Position für Hörspiel, Radio-Feature und Literatur zuständig; von 1995 bis 2003 gehörte er zudem dem Lenkungskomitee für Hörspiel der Europäischen Rundfunkunion (EBU) an. Für seine Publikationen (neben Herausgaben und Übersetzungen, vornehmlich aus dem Isländischen, zuletzt: Bilanz – Hörspielkunst aus den Studios des WDR, eine CD-Anthologie, Lilienfeld Verlag 2016; Die Befragung des Otto B., Edition Elektrobibliothek Verbrecher Verlag 2017; Das Alphabet des Feuers, Gedichte aus Island, CD-Edition, ELIF Verlag 2021; Dass die Erde einen Buckel werfe, ELIF Verlag 2022) erhielt er mehrere literarische und kulturelle Auszeichnungen, u. a. das Ritterkreuz des Isländischen Falkenordens. Er lebt in Köln und in Prag.

-> Ragnar Helgi Ólafsson, geb. 1971 in Reykjavík, ist ein Schriftsteller und Künstler. Parallel zu seiner Tätigkeit als Autor hat er zahlreiche Ausstellungen in Island und im Ausland gehabt. Er ist Träger des Tómas Guðmundsson Literaturpreises und wurde zweimal für den Isländischen Literaturpreis nominiert. Er lebt in Reykjavík.

Bisherige Veröffentlichungen, u. a.:
# Bréf frá Bútan – skáldsaga, Tunglið forlag 2013
# Til hughreystingar þeim sem finna sig ekki í samtíma sínum – lög og textar, Bjartur 2015
(Denen zum Trost, die sich in ihrer Gegenwart nicht finden können – Lieder und Texte, ELIF 2017)
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Handbók um minni og gleymskuSmásögur, Bjartur 2016
(Handbuch des Erinnerns und Vergessens – Erzählungen, ELIF 2020)
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Bókasafn föður míns – sálumessa, Bjartur 2018
# Tveir leikþættir: ærslaleikur & gamanþáttur með harmrænu ívafi þó, Tunglið forlag 2019
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Laus blöð – Ljóð og textar, Bjartur 2021
(Lose Blätter – Gedichte und Texte, erscheint bei ELIF 2023)
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stimmen JETZT: Augusta Laar – LOBGESANG (nunc dimittis)

Augusta Laar (-> SZ) schickte mir zu meiner großen Freude ihren jüngst in der Edition Melos erschienenen Lyrikband Mitteilungen gegen den Schlaf.

Nach dem ersten gespannten Durchblättern des schönen Buches wusste ich gleich: LOBGESANG (nunc dimittis), dieses flirrend luzide, weit ausgreifende, suggestive, sehr klug und fein gebaute Gedicht – Resümee, Andachtsbild und Abgesang zugleich – will ich bei stimmen JETZT im Februar zeigen: Danke, liebe Augusta, dass Dein Text hier in meiner Reihe erscheinen kann!

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Augusta Laar
1955 geboren, Künstlerin, Schriftstellerin, Musikerin, lebt in München und Wien.
Seit 2009 Leiterin der Lesereihe der Schamrock-Salons und seit 2012 des internationalen Schamrock-Festivals der Dichterinnen in München und Wien.
2016 Botschafterin der Schule für Dichtung Wien in Medellin, Mitglied des World Poetry Movement.
Sie ist Teil des elektro-akustik Duos Kunst oder Unfall mit Kalle Aldis Laar. Auftritte in Thiruvanathapuram, Istanbul, Riga, Wien, Venedig, Toronto, New York.
Zusammen veranstalten sie auch das Schamrock-Filmfestival female presence und den Kunst oder Unfall Salon.

Publikationen zuletzt:
– Mitteilungen gegen den Schlaf, Träume Lieder Skizzen, edition melos, Wien 2021
– Kunst oder Unfall Fanzine #7, Künstlerbuch München-Wien 2021
– Avec Beat, Kurzformen, Mischungen, Loops, Black Ink, München 2020
– Spinning Records, poems E/D, Versopolis, Ledbury UK 2019
– Best Friends, Ausstellungskatalog, Galerie Bezirk Oberbayern 2019
– Planet 9, Gedichte, Fragmente, Instruktionen, Berger, A-Horn 2017
– summt dem fall, Gedichte und Zeichnungen, edition art science, A-St.Wolfgang 2016

Weblinks:
-> www.poeticarts.de
->
Wikipedia

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längst beschlossen, heut besiegelt: werde also

umziehen: das große familienhaus räumen, das uns so viele jahre getragen hat; mich zum herbst hin am neuen lebensort anwurzeln (hoffentlich!).

zu tun ist viel derweil. sortieren, einpacken, loslassen. sich durch gelebtes leben fräsen. keine einfache arbeit: jeder gegenstand trägt erinnerungen. kann sein, ich zeige in den kommenden wochen hier das ein oder andere fundstück.

die akeleien werden wir nicht mitnehmen können, das gute feuer in unserem ofen auch nicht. aber das kleinwinzige hausaltärchen mit dem halbdaumengroßen buddha, das schon …

       
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stimmen JETZT: Àxel Sanjosé – Januar

Heute möchte ich euch bei stimmen JETZT einen Text von Àxel Sanjosé (→ Wikipedia) vorstellen, nämlich das Gedicht Januar aus dem 2021 im Rimbaud Verlag erschienenen Band Das fünfte Nichts (→ Rezension).

Wenn ich Gedichte von Àxel Sanjosé lese, bin ich immer wieder beeindruckt davon, wie präzise er schreibt, wie konzentriert und „wesentlich“, in die Tiefe gerichtet … und dabei bleibt seine Sprache so leicht, so ganz ohne Pomp und verschnörkelte Wortgewalt.
Das Mondgedicht, wenn ich es still auf mich wirken lasse, beruhigt mich, obwohl es (mir) letztlich rätselhaft bleibt; das Gedicht erklärt mir die Welt nicht, es deutet an, schwebend, nährt und tröstet mich dennoch, mit – nun ja: mit seiner Schönheit …

Vielen Dank, lieber Àxel, dass ich Dein Januar-Gedicht hier zeigen darf!


Àxel Sanjosé (-> Literaturport), geboren 1960 in Barcelona, lebt seit 1978 in München.
Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, vier eigene Gedichtbände:
Anaptyxis (2013), Gelegentlich Krähen (2015) und Das fünfte Nichts (2021) im -> Rimbaud Verlag, Lebensmittellyrik (2021) im -> Edition Melos Verlag; zudem übersetzt Àxel Sanjosé Lyrik aus dem Katalanischen und aus dem Spanischen: 2019 erschien bei Rimbaud der zweisprachige Auswahlband -> Poesies mit aus dem Katalanischen übersetzten Gedichten von Màrius Torres (-> Wikipedia) und jetzt, im Januar, wurde im Münchner -> Lyrik Kabinett Der Pinien Grün, des Meeres Blau vorgestellt, Übersetzungen von Gedichten des katalanischen Klassikers -> Joan Maragall.

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Dinçer Güçyeter, Huchel-Preis 2022: „Kind, das Märchen hängt hinter der Tür …

                           … sei vorsichtig
verbrenne dir nicht
d
ie Finger

gestern mittag steh ich so in der küche, essen machen, BR24 an, dies & das, meldungen … und plötzlich — huchel-preis, dinçer güçyeter — yuhiii, welch freude!

herzlichen glückwunsch, lieber dinçer!

Mehr zum Huchel-Preis 2022 gibt es bei → Wolfgang Schiffer oder → hier oder in allen Feuilletons ab morgen. 😉

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Slata Roschal schreibt zu „reste von landschaft“

Überraschung und Freude!

Slata Roschal (→ Wikipedia) bespricht für die Münchner Anthologie der Signaturen ein Gedicht aus meinem Band reste von landschaft, siehe → hier.
Danke, liebe Slata, für Deinen aufmerksamen und gedankenreichen Blick in den Band, und ebenso Dank an Kristian Kühn und das Signaturen Magazin.

Sehr gefreut habe ich mich auch über die landschafts-Rezensionen von -> Birgit Böllinger und -> Astrid Nischkauer, sowie auch über die Leseprobe in -> AVISO, Magazin für Kunst und Wissenschaft in Bayern, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Vielen herzlichen Dank!

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stimmen JETZT, Silvesterpost: Armin Steigenberger – das ist wie beim tee

Heut ist der letzte Tag des Monats, also Zeit für eine neue Folge von stimmen JETZT.

Aber! Heut ist auch der letzte Tag des Jahres, so dass ich zuerst einmal sehrsehr herzlich DANKE sagen möchte für eure Besuche auf meiner Seite, für’s Lesen und Kommentieren!

Einen leichtfüßigen Silvestertag wünsche ich euch, ihr Lieben, einen guten, sanften Rutsch zur Mitternacht, und für das kommende Jahr 2022 Zufriedenheit, viel Freude, Glück und Wohlergehen – trotz alledem und alledem!

Diesmal hab ich ein Gedicht von Armin Steigenberger (→ Wikipedia) für euch als Text im Bild ausgewählt, dem Band Die Fortsetzung des Glücks mit anderen Mitteln entnommen.
Seit ich Armin 2014 in München kennenlernte, schätze ich ihn sehr: als phantasievollen, unerschöpflich einfallsreichen Sprachkünstler und Autor; als belesenen, klugen Rezensenten; als stets hilfsbereiten, zugewandten, feinfühligen Mitmenschen – und auch, das darf ich vielleicht doch hinzufügen: als Freund.

Als ich das hier vorgestellte Gedicht zum ersten Mal las, hat es mich sofort angerührt – und geht mir seitdem nicht aus dem Sinn. Mehr will ich gar nicht sagen dazu; möge es einfach wirken: so wie der Tee, der zieht, dabei allmählich Aroma und Farbe entfaltet …

Armin Steigenberger, *1965 in Nürnberg, lebt in München. Schreibt vorwiegend Lyrik. Mitherausgeber der Literaturzeitschrift → außer.dem, Mitglied der Autorengruppe Reimfrei. 2009 Irseer Pegasus, 1. Preis.
Publikationen (Auswahl): Die Fortsetzung des Glücks mit anderen Mitteln (Horlemann-Verlag 2013), das ist der abgesägte lauf der welt (edition offenes feld 2020), sprich: malhorndekor & barbotine (gemeinsam mit Frank Milautzcki, Black Ink 2021); zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Danke Dir, lieber Armin, für all die guten Stunden, die ich bei euch in den letzten Jahren verbringen durfte!

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Mutmaßungen über Mütter

Ein großes Dankeschön an Margarete Helminger (aka Frau Graugans) für die freundliche Einladung zum 24-Tage-Projekt im Advent 2021!

Mein
im Rahmen des Projektes entstandener Text ist zu lesen auf dem -> Graugans-Blog.

Ebenfalls meiner Mutter gewidmet ist folgendes Notat: -> die mutter alt.



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stimmen JETZT: Nikolai Vogel – IRGENDWANN

Heute habe ich für stimmen JETZT einen Text von Nikolai Vogel (→ Wikipedia) ausgesucht, nämlich den in seinem letzten Vers wunderbar rätselhaft schwebenden Schlusstext IRGENDWANN seines jüngst erschienenen Bandes → Anthropoem.

Die 37 Gedichte in Anthropoem (lies auch: → Anthropozän) docken an am flüchtigen Alltagsmoment, an Sinneseindrücken: an weißen Socken, an schnellen Wolken, am leuchtenden Baum vor dem Fenster, an den Wespen über’m sommerlichen Isarkiesbett, am Lockdown-Ich, am Radfahren, an Gesichtern, die man nur einmal sieht, an den Kunstblumen im Flur des Hotelzimmers, am schwarzen Flachbildschirm, am Netzbrummen – an dem, was vergeht – an der porösen Zeit, an der Vergänglichkeit, an der Ewigkeit …

Du bist der Umschlagplatz heißt es im Gedicht WAS WIRD WAR, und: Die Zukunft mit der Vergangenheit tauschen / Kannst du nicht und passiert doch ständig. Unaufgeregte Gedichte sind es, beiläufig verhandeln sie große Fragen, zeigen, zählen auf, was ist, was sein könnte, balancieren, ziehen weite Bögen, bauen Brücken, betrachten und spiegeln lakonisch die Conditio Humana und die Welt, die einfach so / Ist, wie sie ist, und weiß doch keiner / Keine Ahnung, niemand, wieso.

Nikolai Vogel: *1971 in München, Schriftsteller und bildender Künstler. Finalist beim Open Mike 2004 und beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2005. Bayerischer Kunstförderpreis 2007. Publikationen (Auswahl): Taubentext, Vogeltext (gemeinsam mit Anja Golob, hochroth 2018), Fragmente zu einem Langgedicht (gutleut verlag 2019), Vielzweckbuch (edition offenes feld 2021), Anthropoem (Black Ink 2021).
Webseite: www.nikolaivogel.com

2020 haben Nikolai Vogel und ich im Rahmen der Münchner Kooperationen einen Text geschrieben, den wir dann im Januar 2021 als Poetryclip umsetzten.
Text und Video siehe
hier:Signaturen-Magazin

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stimmen JETZT: Nora Zapf – 6 das Wetter wird in Zukunft zusammenkommen

Es ist immer schön, wenn ich eine Veranstaltung in München besuche und in diesem Rahmen Nora Zapf treffe, mich mit ihr so zwischendurch ein wenig unterhalten kann, und ich freue mich, heute einen Text aus ihrem jüngsten Buch → Dioden, wie es Nacht (vierhändig) bei → stimmen JETZT vorzustellen. (Rezension in der SZ → click)

Nora Zapf, *1985 in Paderborn, lebt in München. Lyrikerin und Übersetzerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hispanistik Innsbruck (Lateinamerikanische Literaturen). Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Mitorganisatorin mehrerer Lesereihen. Literaturstipendium der Stadt München 2017, bayerischer Kunstförderpreis 2019. Nach rost und kaffeesatz, parasitenpresse 2018, und homogloben, gutleut 2018, ist Dioden, wie es Nacht (vierhändig), parasitenpresse 2021, Nora Zapfs dritte Einzelpublikation.


Das Dioden-Buch (lies auch: „Die Oden“) ist aufgeteilt in fünf längere Kapitel, die jeweils aus einer Reihe einzelner Texte bestehen. Von nächtlichen Befindlichkeiten handeln die Texte, von „Umwachtung“: Schlaf und Schlaflosigkeit, Träumen, Dämmern, Fiebern, Unruhe, halbwachem Gedankenkreiseln …

Das sechste und letzte Kapitel, Schlussakkord des Bandes, besteht jedoch aus nur vier Verszeilen – die mich sogleich begeistern!
Die Titelzeile katapultiert mich in Fontanes Ballade von der → Brück’ am Tay. Diese Ballade beginnt und endet mit den Shakespear’schen Wetterhexen, die sich mit den Worten „Wann treffen wir drei wieder zusamm?“ verabreden und mit dem Ruf: „Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand!“ das Unglück beschwören –  das Wetter wird zusammenkommen, die Zukunft ist bedroht!

In den beiden folgenden Zeilen geht es um uns, uns Menschen – mit zwei Attribuierungen werden die Archive der Menschheitsgeschichte geöffnet, die Wurzeln unserer Kultur aufgerufen, nämlich das antike Griechenland (→ tanzende Mänaden) sowie die Pracht, der Pomp und Luxus von Versailles und anderen Schlössern (→ Spiegelsaal). Zugleich ist damit der menschliche Hang zum Rausch, zur Raserei angesprochen, zum Narzissmus, zur egoistischen, selbstverliebten Gier.

Die Klammer im dritten Vers (seltsame Literaturen und Kunst) deute ich als ein kleines, leichtes, vielleicht ironisches Zwinkern, ehe im vierten Vers dann klar ausgesprochen wird: Idioten sind wir! Was haben wir getan?!
Wie sind wir umgegangen, wie gehen wir um mit unseren Fähigkeiten, unserem Können, unserem Wissen, mit der Erde, mit ihren und unseren Ressourcen, die wir stets verschwendet haben blind und blöd für Rausch und Tand, Tand, Tand – bleibt uns was? Unseren Kindern? Was?

Ja, ich zeige Noras Text, weil er mit wenigen Worten, ganz ohne Geschrei, ganz nebenbei genial verdichtet die wichtigsten und aktuellsten Fragen anrührt. Fragen, die mich auch bedrängen, manchmal bis in den Schlaf, bis in meine Träume hinein. – Der Band, übrigens, ist zwei kleinen Mädchen gewidmet: für Phine & Layla (next generation).

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spätherbst: bienen an astern belauert …

… und prompt geschnappschusst. oder heißt es schnappgeschossen? oder snapgeshootet?

ja, hockte am montag nach der arbeit im letzten sonnenfleckchen bei dem kleinen herbstasterndschungel hinterm haus. sah den bienen, schmetterlingen, hummeln auch und ganz vereinzelt wespen zu: spät im jahr noch holen sie sich futter von den alten bauernastern, die ich hierher retten konnte aus dem garten meines vaters.

belauerte beim sonne tanken so nebenbei das rege treiben der insekten mit der handycamera und zeige euch ein bild, das mich erfreut.

wo ist die biene?

siehst du die flügelchen schwirren?


genießet die tage, ihr lieben, freut euch am licht!

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