im august ein traum von ani

anis sterbetag jährt sich heut.
fünf jahre sind vergangen, fünf jahre!
alle bilder von ihr sind da in mir, meine hilflosigkeit,
die verzweiflung auch. alles noch da unverblasst,
aber weniger schneidend, gemildert von der
verflossenen zeit.

träumte von ani heut nacht:

wir stehen beim esstisch, neben ihrem stuhl, stehen uns gegenüber.

ani ist hell gekleidet, trägt eine weite weiße hose und ein helles westchen; die haare offen, zwei spangen; ani kann gehen, mühsam zwar, sehr langsam, humpelnd, ihre hüften sind sichtbar verformt – aber sie kann frei gehen, scheint auch gewachsen zu sein, ist fast so groß wie ich.

wir stehen uns gegenüber, sehen uns an; umarmen uns schließlich fest: während dieser umarmung bricht mein traum den linearen ablauf der zeit auf, es dreht sich rasend, wirbelnd die zeit um sich selbst, vergangenes und zukünftiges schiebt und schichtet und flicht sich ineinander und alles ist zu-gleich.

ani und ich, wir umarmen uns in meinem traum, es ist jener mittwochabend, da wir uns zum letzten mal sahen, und ich weiß, dass sie sterben wird, und sie weiß, dass ich weiß; wir sprechen nicht und plötzlich lässt sie mich los, humpelt weg von mir …

das traumzimmer löst sich in dunklem nebel auf.

ich erwache.

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Über Pega Mund

... denkt, lebt, arbeitet, schreibt, liest, lacht, fragt ...
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15 Antworten zu im august ein traum von ani

  1. gkazakou schreibt:

    welch ein starker Traum. Möge er dir Trost durch Verbundenheit schenken.

    Gefällt 2 Personen

  2. versspielerin schreibt:

    sehr eindringlich. spürbare verbundenheit. immer noch und immer wieder! sie ist nie ganz „weg“.
    liebe grüße von diana

    Gefällt 1 Person

  3. wolkenbeobachterin schreibt:

    liebe pega, ich wußte bis eben nicht davon, habe auch die anderen zwei verlinkten texte gelesen. wie alt ist deine tochter geworden, darf ich das fragen? was ich sagen möchte, zu diesem traum, ist, dass ich hoffe, das darf ich ebenso sagen, es mir mit meiner katze ebenso ging. nachdem sie gestorben war, kam sie zu mir, nachts in meine träume, hat mit mir gespielt, sich von mir verabschiedet. ich kann das immer noch nicht schreiben, ohne zu weinen dabei… jedenfalls, ja, sie ist immer noch bei dir, für mich ist das ganz klar. sie kommt dich besuchen „an ihrem tag“. eure liebe zueinander verbindet euch. ich wünsche dir viel kraft. alles liebe.

    Gefällt 1 Person

    • Pega Mund schreibt:

      liebe wolkenbeobachterin, hab vielen herzlichen dank für deinen besuch hier und deinen mitfühlenden beitrag. ja, ich kann das sehr gut verstehen, was du erzählst von deiner katze. der tod eines geliebten tieres tut weh, das ist ein abschiedsprozess, loslassen müssen, akzeptieren müssen, dass ein wesen unwiderruflich fort ist. die erinnerungen bleiben. es ist gut und wichtig und wertvoll und doch schmerzhaft zugleich, das sich-erinnern, das geht wohl nicht anders … alles liebe für dich, sei herzlich umarmt!

      Gefällt 1 Person

  4. SätzeundSchätze schreibt:

    leise grüße aus ausgburg. ich drücke dich.

    Gefällt 1 Person

  5. Anhora schreibt:

    Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es tut mir so Leid. Alles Liebe, vor allem am heutigen Tag.

    Gefällt 1 Person

  6. Marianne Leibold schreibt:

    Liebe Pega, Danke für Deine driftouts, ich genieße Deine Gedanken, deine Gedichte. Im august ein traum von ani hat mich dazu noch sehr sehr berührt und mich an die der Liebe volle Abschiedsfeier erinnert. Dass die Zeit so schnell vergeht, die Berührung tief bleibt, auch wenn sie weicher wird. Ich denke auch oft an meine Mutter, an die Menschen, die nie wieder jetzt und hier berührbar sind. Sie sind da und Trauer greift mich an.

    Ich bin jetzt auf mehreren Seiten gewesen, um Deinen Gedichten nachzuspüren. Danke, dass ich in Deinem Verteiler bin!

    *Übrigens, ich feiere meinen 70.sten am 24.11. im Freizeitheim bei mir in der Straße und würde mir sehr wünschen, wenn Du mit Martin dabei sein könntet.** **Bitte, bitte merke Dir dieses Datum vor. Ich hoffe, Du bist noch nicht ausgebucht am Samstag vor dem Totensonntag. Ich weiß, der November ist ein Lyrikmonat!** * Ganz liebe Grüße und Danke auch für das dieser Mail folgende Gedicht vom Nachsommer und das Erinnern, an die leider nicht nur an den Bäumen sich aufdrängenden braunen Flecken. In der Welt um uns rum sind sie bedrohlich in der Ausbreitung ohne den Trost, dass nach dem Herbst ein notwendig kalter Winter kommt, der Ungeziefer, Schädlinge dezimiere und damit das frische Grün des dann wieder neuen Frühlings schützte und vorbereitet. Ein klärender Herbst des Wahlsommers, ein Winter der Zukunft nicht so schneidehart durch eine AFD-Fraktion auch im bayerischen Landtag, die sich hoffentlich bald demaskiert, ein Wunsch an ein Vorwärts statt weiter so.

    Liebe Grüße von mir und auch von Klaus, auch an Jürgen.

    Gefällt 1 Person

    • Pega Mund schreibt:

      liebste m., hab vielen herzlichen dank für deinen besuch hier und für deine ausführliche zuschrift, dein anteil-nehmen und mit-erinnern! — welche überraschung aber: ein rundes fest im november … ich habe den termin notiert und gehe davon aus, dass es klappt und ich dabei bin, ich freue mich sehr über die einladung. – so viel erst mal!
      ganz herzliche pegagrüße!

      Liken

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