Zum Geburtstag: Edward Hopper – Lesende

Geboren in einer typischen amerikanischen Kleinstadt nahe New York, absolviert der talentierte Hopper (22.07.1882 – 15.05.1967), heute einer der wichtigsten Vertreter des amerikanischen Realismus, auf Drängen seiner Eltern zunächst eine Ausbildung zum Grafiker und arbeitet jahrelang als Illustrator, ehe er sich schließlich um 1910 ganz der Malerei zuwendet.
Lesende Menschen tauchen in Hoppers Bildern häufig auf und Ed
ward Hopper selbst wird wiederholt als sehr belesen beschrieben.
Schon als Kind beschäftigt sich der wortkarge Einzelgänger lieber mit Zeichnen und
mit seinen Büchern als mit den Menschen um sich herum, interessiert sich als junger Mensch für Geschichte, Psychologie, Philosophie. Zu seinen Lieblingsautoren gehören Emerson, Thoreau, Robert Frost und E. B. White. Die zeitgenössische englischsprachige Literatur schätzt er ebenso wie französische und russische Klassiker; Goethe soll er sogar in Deutsch rezitiert haben. Hopper besucht oft das Theater und liebt das Kino.

Eine ausführliche Deutung seiner Bilder lehnte Hopper stets ab er male nur, was er wahrnehme. ++EdwardHopper1952HotelAmBahndammNewRealism_900Auf dem hier gezeigten Bild Hotel am Bahndamm (1952) ist ein älteres Paar in einem kargen Zimmer zu sehen. Während der Mann rauchend am Fenster steht und in Gedanken versunken nach draußen schaut, sitzt die Frau im Unterkleid in einem Sessel und liest.
Eine für Hopper typische Szene: Die Figuren sind sich zwar räumlich nahe, dennoch herrscht eine spürbare Distanz zwischen ihnen. Beziehung oder gar Intimität ist nicht wahrnehmbar; die Menschen bleiben einander fremd, anonym und einsam; sie leben nebeneinander her, so wie die Schienen, auf die der Mann blickt, nebeneinander her laufen. Da ist keine Gemeinsamkeit, keine Kommunikation; die Melancholie und innere Leere der dargestellten Personen spiegelt sich in der nüchternen, kalten Umgebung wider. Der Ausblick aus dem Zimmer ist beschränkt, nichts wird idealisiert; Hopper zeigt ein sachliches Standbild, die emotionslose Momentaufnahme einer vielleicht für seine Zeit typischen Befindlichkeit.

Warum das Paar in diesem Hotelzimmer ist, worüber sich der Mann Gedanken macht, was die Frau liest, wie die Beziehung der beiden funktioniert …
Alle Fragen bleiben offen: Die Interpretation ist ganz dem Betrachter überlassen.

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3 Antworten zu Zum Geburtstag: Edward Hopper – Lesende

  1. Beat Company schreibt:

    Der Illustrator meiner einsamen Nächte.

    Nebenbei: http://www.popspotsnyc.com/nighthawks/

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