Emmy Ball-Hennings – Traum II

Nachtrag zum gestrigen Todestag:

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Emmy Hennings hat in ihrem ruhelosen Leben etliche Kostüme und Rollen ausprobiert. Sie trat als Kabarettistin auf den Münchner Kleinkunst-Bühnen und im berühmten Cabarét Voltaire auf, war Tänzerin, Schauspielerin, Dichterin, Autorin, Morphinistin, Gelegenheitsprostituierte, Geliebte zahlloser Künstler, Geburtshelferin des Dadaismus und zuletzt an der Seite ihres Mannes Hugo Ball auch katholische Mystikerin. Wegen Diebstahls und Fahnenflucht saß sie mehrere Monate im Gefängnis. Sie litt an Morphium- und Äthersucht, erlebte Armut und Prostitution. Ihr erster Mann verschwand spurlos und ließ sie allein mit einem Sohn, der früh starb. Der Vater ihrer Tochter Annemarie ist unbekannt. Der gesamten deutschen Boheme verdrehte sie den Kopf, zählte u.a. Johannes R. Becher, Jakob von Hoddis, Erich Mühsam und Georg Heym zu ihren Liebhabern. Mit Hermann Hesse, dessen erster Biograph ihr Ehemann Hugo wurde, verband sie eine lebenslange Freundschaft.
Emmy Ball-Hennings ist eine jener zahlreichen fast vergessenen Autorinnen ihrer Zeit, die inmitten der damaligen Strömungen standen und oft außerordentliche und typische Texte ihrer Epoche verfassten, allerdings ohne damit in den Kanon der Literaturgeschichte einzugehen. Obwohl sie gemeinsam mit Hugo Ball Begründerin des legendären Cabaret Voltaire, der Geburtsstätte des Dadaismus war, haben ihre eigenen Gedichte gar nichts Dadaistisches, sondern bleiben, durchwegs gereimt, eher schlicht, was äußere Form, Gedankenführung, Inhalt und Bilder angeht. Man mag sich wundern, dass diese Frau, die doch unkonventionell, wild und ruhelos lebte, solch brave Gedichte schrieb.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 1948 macht Emmy Ball-Hennings sich als Verwalterin und Herausgeberin der Werke Hugo Balls verdient. Sie verfasst zwei autobiographische Schriften sowie Erinnerungsbände über ihn und sich. Immer wieder lebt sie am Existenzminimum und stirbt 1948 nach vielen Klinikaufenthalten an einer Lungenentzündung.

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5 Antworten zu Emmy Ball-Hennings – Traum II

  1. Pagophila schreibt:

    Eines dieser Frauenleben… schön, dass Du daran erinnerst.

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  2. PegaMund schreibt:

    pagophila, ja, manchmal bin ich drauf und dran, eine eigene seite aufzumachen für eben diese frauenleben …

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  3. Pingback: Hugo Ball zum Geburtstag – Bagatelle | driftout

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