Geburtstag: James Joyce, 02.02.1882 – 13.01.1941

++JamesJoyce

„Er holte einen Satz aus seinem Schatzbehalter und sprach ihn leise vor sich hin:

Ein Tag gescheckter meergetragner Wolken.

Der Satz und der Tag und die Szenerie harmonierten in einem Akkord. Wörter. Waren es ihre Farben? Er ließ sie aufscheinen und wieder verblassen, Ton um Ton: das Gold des Sonnenaufgangs, das Rostbraun und das Grün der Apfelgärten, Azur der Wellen, das graugesäumte Vlies der Wolken. Nein, es waren nicht ihre Farben: es war das Ebenmaß und die Balance der Periode selbst. Liebte er also die rhythmischen Hebungen und Senkungen von Wörtern mehr als ihre Assoziationen zu Legende oder Farbe? Oder war es, weil seine Augen so schwach waren wie sein Geist schüchtern, daß er darum weniger Vergnügen an der Reflektion der sichtbar aufscheinenden Sinnenwelt im Prisma vielfarbener und üppig verwobener Sprache hatte als an der Betrachtung einer inneren Welt privater Emotionen, die sich in klarer schmiegsamer periodischer Prosa perfekt spiegelten?“

James Joyce, Ein Porträt des Künstlers als junger Mann (1916)

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